Tue dir etwas Gutes, indem du singst

Aktualisiert: 29. Sept.

Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen, denn sie ist die natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können – mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen.

Yehudi Menuhin

 

Wann hast du das letzte Mal gesungen? Vielleicht heute Morgen unter der Dusche? Oder letztens beim Autofahren? Vielleicht singst du auch in einem Chor oder singst auf der Bühne? Vielleicht ist es aber auch schon so lange her, dass du dich gar nicht mehr daran erinnern kannst, wann du das letzte Mal gesungen hast?


Singen ist tief in uns verankert

In den frühen Kulturen und Naturvölkern spielte das Singen eine zentrale Rolle und wurde für Heilzwecke eingesetzt. Auch heute gibt es noch Naturvölker, bei denen auf die Heilkraft des Singens zur Heilung vertraut wird.

In unserer Kultur verlagerte sich im Laufe der Zeit der Gesang zur Kunstform und das alte Wissen über die heilende Wirkung des Singens wurde vergessen.

Neue Forschungen beschäftigen sich nun immer mehr mit der Heilkraft des Singens und verschiedene Studien haben gezeigt, dass Singen gesundheitsfördernd ist und stimmungsaufhellend sowie stressabbauend wirkt.

Singen befreit
Frau spürt die Freiheit auf einem Berg



Wahrscheinlich hast auch du die Erfahrung gemacht, dass dir das Singen gut tut und dich mit Glück erfüllt?


Durch das Singen bekommen wir den Kopf frei. Singen lässt uns entspannt und gelassen werden. Singen kann uns eine innere Kraft geben. Singen führt uns zu unserem tiefsten Wesenskern. Ist das nicht wunderbar?


Mit Singen ist hier nicht (nur) Kunstgesang gemeint. Es geht nicht um Perfektion und Leistung sondern um Spass und Freude und um höchst individuelle Erfahrungen mit dem ureigenen Ausdruck seiner Stimme.


Wie wirkt nun aber Singen auf unseren Körper und unsere Psyche?


Hier eine kleine und nicht abschliessende Auswahl von positiven Wirkmechanismen des Singens:


Singen ist gesundheitsfördernd. Dies haben zahlreiche Studien bewiesen.
Lebensfrohe Frau


Singen erhöht die Lebenszufriedenheit und stärkt das Immunsystem


Der österreichische Musik- und Kommunikationspsychologe Thomas Biegl hat in einer Studie an der Universität Wien nachgewiesen, dass es bereits nach etwa 20 bis 30 Minuten Singen zur Ausschüttung von "Glückshormonen" wie Betaendorphin, Serotonin, und Noradrenalin kommt, welche eine antidepressive und schmerzlindernde Wirkung haben. Dazu hat seine Studie gezeigt, dass der Wert des Stresshormons Adrenalin nach dem Singen messbar tiefer war.


Und Singen stärkt das Immunsystem: Beim aktiven Singen erhöht sich die Konzentration von Immunglobulin A, dem Antikörper, der Krankheitserreger bekämpft. Dies fanden Forscher vom Institut für Musik­pädagogik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt in einer Studie heraus.


Wenn wir ruhig und harmonisch singen, führt dies zu einer Produktion des Schlafhormons Melatonin, wie eine Studie mit Musiktherapie, die hauptsächlich aus therpeutischem Singen bestand, von der University of Miami School of Medicine zeigte. Melatonin normalisiert den Blutdruck und baut freie Radikale ab, die zur Entstehung von Krebszellen führen können. Man kann also sagen: Singen kann zur Krebsprophylaxe beitragen.

Durch Singen im Fluss des Lebens


In unserem Leben gibt es immer wieder Situationen, in denen wir uns blockiert fühlen. Wir haben das Gefühl, es fliesst nicht mehr, wir kommen nicht mehr weiter, wir stocken. Meist fühlen wir uns fremdbestimmt und haben das Gefühl, nur noch zu funktionieren. In der Hektik des Alltags haben wird die Verbindung zu uns selbst, zu unserer Seele und unserem Körper verloren. Wir „spüren“ uns nicht mehr.


Singen kann eine wirksame Hilfe sein, Gestautes wieder in Fluss zu bringen und Blockaden aufzulösen. Durch das Singen sind wir im Hier und Jetzt. So wird der Strom der manchmal lähmenden Alltagsgedanken durchbrochen und wir kommen wieder in den Kontakt mit unseren Gefühlen. Singen hilft uns das mitzuteilen, was wir nicht in Worte fassen können. So können verdrängte Gefühle wieder ins Fliessen kommen.

Gleichzeitig kann uns das Singen Halt geben und uns helfen, in unsere Mitte zu kommen. Es ermöglicht uns, zurückzukehren zu unserem innersten Kern, zu unserer Kraftquelle.

Singen lässt den Atem fliessen


Stress oder seelische Probleme wirken sich unmittelbar auf den Atem aus. Die Atmung wird flach und schnell. Gestresste Menschen atmen nur im Brustbereich. Dies wirkt sich negativ auf das vegetative Nervensystem aus. Der Herzschlag beschleunigt sich und der Blutdruck steigt.


Singen verlängert den Ausatemprozess und vertieft den Atem. Dies wirkt beruhigend auf den Herzschlag und lässt uns entspannter und gelassener werden.

Singen kann auch ein Ventil für aufgestaute Emotionen sein. Durch das verlängerte Ausatmen können wir Belastendes loslassen. Dies hilft uns zu einem erfüllten und glücklichen Lebensgefühl.

Singen stärkt die Persönlichkeit und erhöht das Selbstwertgefühl


Zwischen Stimme und Person besteht ein enger Zusammenhang. D.h. wenn man seine Stimme erfährt und intensiv erlebt, erfährt man auch sich selbst im Ganzen als Person. Durch das Wahrnehmen des eigenen Stimmklangs werden Selbstwahrnehmung und damit das Selbstwertgefühl gestärkt und man kommt in Kontakt mit seinem inneren Wesen.


Singen ermöglicht den Zugang zu den eigenen Ressourcen


Musikstücke oder Lieder können sehr stark mit Erinnerungen verknüpft sein und uns in eine vergangene Zeit in unserem Leben zurück versetzen. Durch das Hören oder Singen von Liedern werden die entsprechenden Bereiche im Gehirn aktiviert, die die mit dem Lied assoziierten Emotionen auslösen.


Das Singen ermöglicht uns so Zugang zu finden zu verschiedenen Stationen und die damit verknüpften Emotionen in unserem Leben. Somit können unbewusste oder vergessene Ressourcen aktiviert werden. Singen kann damit helfen, zu einem inneren Gleichgewicht zu finden.


Fazit


Das Singen stellt eine grosse Ressource dar, um zu wachsen, sich zu entwickeln und zu einem gelasseneren und zufriedeneren Lebensgefühl zu finden. Dazu wirkt Singen in vielerlei Hinsicht gesundheitsfördernd.


Ist das nicht toll?

Fang am Besten gleich heute an und singe ein Lied oder einfach eine Melodie, die dir gerade in den Sinn kommt. Es gibt viele Möglichkeite zu singen: unter der Dusche, im Auto, bei einem Waldspaziergang...


Ich möchte dich ermuntern: Probiere es einfach aus.


Es geht nicht darum, dass es gut oder perfekt klingen muss oder darum, dass du alle Töne treffen musst. Es geht auch nicht darum, dass du dich mit anderen vergleichen sollst, die vielleicht schon mehr Singerfahrung haben.


Lass dich ein auf das Experiment und traue dich – vielleicht ganz alleine, wenn niemand zuhört – dein eigenes Lied zu singen und spüre danach in dich hinein. Spürst du das gute, angenehme und entspannte Gefühl?


Ich wünsche dir viele erfüllende Singmomente.



Singen befreit und lässt uns im Hier und Jetzt sein
Frau singt

Benutzte Quellen:

Bilder: wix.com

Biegl, T. - Glücklich singen - singend glücklich? Gesang als Beitrag zum Wohlbefinden. Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin und Beta-Endorphin als psychophysiologische Indikatoren. Dipl.-Arb. Universität Wien 2004.

Bielicke S. - Singen und Gesundheit – Warum ein Chor Ihnen einfach gut tut - Thesenpapier zum Vortrag am 19.05.2011, Heidbarghof, Hamburg-Osdorf

Bossinger W. - die heilende Kraft des Singens. Traumzeit-Verlag, Battweiler, 2. kompl. überarbeitete u. erweiterte Auflage 2006

Kreutz, G., Bongard St., Rohrmann S., Grebe D., Bastian H. G., Hodapp V.- Does singing provide health benefits? In: R. Kopiez, A. C. Lehmann, I. Wolther, C. Wolf (Eds.): Proceedings of the 5th triennial ESCOM conference, Hannover University of Music and Drama (8. – 13. Sept. 2003), S. 216 – 219.

Kumar A. M., Tims F., Cruess D. G., Mintzer M.J., Ironson G., Loewenstein D., Cattan R., Fernandez J.B., Eisdorfer C., Kumar M. - Music therapy increases serum melatonin levels in patients with Alzheimer's disease. In: Alternative therapies in health and medicine, Dezember 1999

 

Zu diesem Thema gibt es interessante Blogartikel auf der Website von Martina M. Schuster: https://www.conaquila.de/blog


Eine weitere interessante Website zu heilsamen Liedern: https://www.healingsongs.de und https://www.singende-krankenhaeuser.de/home.html

Wolfgang Bossinger beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Erforschung des heilenden Potenzials von Musik und Gesang.


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