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Die Bedeutung von Selbstfürsorge und warum sie uns oft schwerfällt

Aktualisiert: 1. März

Diesen Beitrag kannst du auch als Podcast-Episode hören (Vgl. Podcast-Episode #3)


In unserer schnelllebigen Welt ist Selbstfürsorge von entscheidender Bedeutung für unser körperliches, geistiges und emotionales Wohlbefinden.


Wer sich gut um sich selbst kümmert, kann den Anforderungen des Alltags standhalten ohne gestresst und fremdbestimmt vor sich hinzuleben. Und nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für andere da sein.


Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, sich selbst die nötige Aufmerksamkeit und Pflege zu schenken. Sie vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer Verpflichtungen oder aus Angst, als egoistisch gelten zu können.


In diesem Artikel gehe ich auf die Bedeutung der Selbstfürsorge ein und begründe, wieso Selbstfürsorge nichts mit Egoismus zu tun hat.

Ich erläutere, warum Selbstfürsorge für viele Menschen eine Herausforderung darstellt und zeige Wege auf, wie wir lernen können, uns selbst mehr Wertschätzung und Fürsorge entgegenzubringen.


Selbstfürsorge als innere Haltung sich selbst gegenüber


Selbstfürsorge bedeutet, gut für sich selbst zu sorgen und sich bewusst um das eigene körperliche, geistige und emotionale Wohlbefinden zu kümmern.


Dies beinhaltet jedoch nicht nur das Einhalten gesunder Lebensgewohnheiten wie ausgewogener Ernährung, regelmässiger Bewegung und ausreichendem Schlaf, sondern auch das bewusste Setzen von Grenzen, das Ausdrücken von Emotionen, die Pflege sozialer Beziehungen und das Finden einer guten Balance zwischen Anstrengung und Zeit für Entspannung und Genuss.


Es geht darum, sich selbst mit Freundlichkeit, Mitgefühl und Respekt zu behandeln und sich die Erlaubnis zu geben, für sich selbst zu sorgen, ohne sich schuldig zu fühlen. „Ich bin es wert, gut mit mir umzugehen» – das ist die Grundhaltung der Selbstfürsorge.

Selbstfürsorge umschreibt also in erster Linie eine innere Haltung sich selbst gegenüber.


Die Voraussetzung, um diese innere Haltung einnehmen zu können ist die Selbstachtung, also die Annahme, dass man es wert ist, gut für sich selbst zu sorgen.


Die besten Selbstfürsorgetipps nützen nicht viel, wenn man es sich selbst nicht wert ist, sich um sich zu kümmern. Um an der eigenen Selbstachtung zu arbeiten kann ein Coaching unterstützend wirken.


Der zweite Aspekt dieser inneren Haltung ist die Eigenverantwortung. Das bedeutet, dass das Bewusstsein vorhanden sein muss, dass man selbst für sein Wohlbefinden verantwortlich ist. Wenn wir denken, dass unser Wohlbefinden von anderen abhängt, wird es schwierig, selbst die Initiative für die Selbstfürsorge zu ergreifen.



Eine Frau steht am Meer bei Sonnenuntergang

Vorteile einer regelmässigen Selbstfürsorge

Sich regelmässig um sich selbst zu kümmern bringt viele Vorteile:


Gesundheitlicher Nutzen: 

Studien haben gezeigt, dass regelmässige Selbstfürsorge positive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit hat. Dazu gehören ein gestärktes Immunsystem, ein gesünderes Herz-Kreislauf-System und ein reduziertes Risiko für die Entwicklung einer Depression. Indem wir uns um uns selbst kümmern, investieren wir in unsere langfristige Gesundheit und Wohlbefinden.


Stressbewältigung: 

Selbstfürsorge spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung von Stress. Indem wir uns regelmässig Zeit nehmen, um uns zu entspannen und auf unsere Bedürfnisse zu achten, können wir Stress abbauen und unsere Widerstandskraft gegenüber belastenden Situationen stärken. Selbst kleine Rituale der Selbstfürsorge können dazu beitragen, den Stresspegel zu senken und ein Gefühl der inneren Ruhe und Gelassenheit zu fördern.


Beziehung zu sich selbst: 

Selbstfürsorge ermöglicht es uns, eine gesunde Beziehung zu uns selbst aufzubauen. Indem wir uns selbst mit Freundlichkeit und Mitgefühl behandeln, lernen wir, unsere eigenen Grenzen zu respektieren und für unser eigenes Wohlbefinden einzustehen. Dies kann dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und ein Gefühl der Selbstakzeptanz zu fördern.


Verbesserte Beziehungen: 

Wenn wir uns um unser eigenes Wohlbefinden kümmern, sind wir auch besser in der Lage, für andere da zu sein. Indem wir unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen und uns um uns selbst kümmern, können wir auch anderen gegenüber grosszügiger und einfühlsamer sein. Selbstfürsorge ermöglicht es uns, unsere Beziehungen zu anderen zu vertiefen und ein unterstützendes soziales Netzwerk aufzubauen. Darauf gehe ich später noch genauer ein.


Lebensqualität: 

Letztendlich trägt Selbstfürsorge dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern und ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Indem wir uns regelmässig Zeit nehmen, um uns zu entspannen, unsere Interessen zu verfolgen und uns mit den Dingen zu beschäftigen, die uns Freude bereiten, können wir ein Leben führen, das im Einklang mit unseren Werten und Prioritäten steht.


Gründe, weshalb Menschen sich schwer tun, gut für sich zu sorgen


Oft behandeln wir andere Menschen respektvoller als uns selbst. Wir kritisieren uns selbst heftig, treten uns extrem streng gegenüber. Bei unseren Mitmenschen sind wir oft viel nachsichtiger.


Wir verzichten auf Regeneration und gehen an körperliche und mentale Grenzen, um in unserer Leistungsgesellschaft mithalten zu können.


Die eigenen Bedürfnisse werden konsequent hintenangestellt und vernachlässigt, bis sie irgendwann kaum oder gar nicht mehr wahrgenommen werden.


In der Arbeit mit meinen Klient*innen wird in vielen Fällen immer wieder deutlich, wie schwer es fallen kann, Selbstfürsorge als etwas Selbstverständliches in den Alltag zu integrieren. Sich Ich-Zeit zu gönnen, in der man sich gut um sich kümmert bleibt eine Ausnahme.


Oft stellt sich die Frage, wie denn diese Zeit im durchgetakteten Alltag so effektiv wie möglich gestaltet werden kann. 

Die dahinterliegende Frage, die sich hier stellt, ist jedoch eine andere:


«Was ist der wahre Grund, dass es mir so schwer fällt, gut für mich zu sorgen? Was hindert mich daran?»


Es ist meistens nicht einfach der zeitliche Aspekt, der der Selbstfürsorge im Wege steht.

Vielmehr sind es innere Antreiber oder Glaubenssätze, die uns daran hindern, gut für uns selbst zu sorgen:


  • "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

  • "Ich muss das alleine schaffen.“

  • " Wenn ich nein sage, bin ich unhöflich.“

  • "Es muss perfekt sein.“

  • "Ich will eine ideale Mutter/ein idealer Vater sein.“

  • "Ohne mich geht es nicht.“

  • „Wenn ich auf mich achte, bin ich egoistisch.“

  • "Wenn ich mir Zeit für mich nehme, bin ich nicht mehr liebenswert"

  • "Zuerst die anderen/die Familie/die Firma, dann ich.“

  • „Das habe ich doch gar nicht verdient.“

In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, dass Klient*innen keinen Zugang mehr zu ihren Wünschen und Bedürfnissen haben und daher gar nicht (mehr) wissen, was ihnen gut tut.


In solchen Fällen ist der erste Schritt, die Selbstwahrnehmung zu trainieren.


Wenn wir uns die hindernden inneren Überzeugungen bewusst machen, bekommen wir wieder mehr ein Gespür für unsere Bedürfnisse und Wünsche und erkennen immer mehr, wann solche inneren Antreiber aktiv sind und wir aufgrund derer gegen uns handeln.


Selbstfürsorge als Akt der Selbstachtung


Oft wird Selbstfürsorge mit Egoismus oder Selbstverliebtheit verwechselt.

Damit hat Selbstfürsorge jedoch nichts zu tun. Es geht nicht darum, dass wir unsere Bedürfnisse über die der anderen stellen um ein Leben auf Kosten unserer Mitmenschen zu leben, sondern darum, die eigenen Bedürfnisse ebenfalls als wichtig zu erachten und neben die der anderen zu stellen.


Überlege dir einmal, wie du mit einem geliebten Menschen, mit dem du dein ganzes Leben verbringst umgehen würdest. Mit grosser Wahrscheinlichkeit würdest dich um ihn sorgen, schauen, dass es ihm gut geht.

Du selbst bist dieser Mensch! Deshalb darfst du dir selbst so begegnen, wie du einem Freund/einer Freundin begegnen würdest, mit dem/der du dein ganzes Leben zusammen bist.


Sich um sich selbst zu kümmern ist ein Akt der Selbstachtung, der uns dabei hilft, ein gesundes Gleichgewicht zwischen unseren eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer zu finden.

Indem wir uns um unser eigenes Wohlbefinden kümmern, können wir auch für andere da sein und unterstützende Beziehungen aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt und Mitgefühl basieren.


Dalai Lama hat dies so formuliert:

«Damit jemand im Stande ist, wahrhaft Mitgefühl gegenüber anderen zu entwickeln, benötigt er oder sie zunächst eine Grundlage, auf der Mitgefühl kultiviert werden kann. Diese Grundlage ist die Fähigkeit, mit seinen eigenen Gefühlen verbunden zu sein und für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen […]. Fürsorge für andere setzt Fürsorge für sich selbst voraus.»


Ein Mann liegt in einer Hängematte im Wald


Die Schale der Selbstfürsorge

In meinen Coachings verwende ich dazu gerne das Bild einer Schale.


In seinem Gedicht «Die Schale der Liebe» beschreibt der mittelalterliche Kirchenlehrer und Mystiker Bernhard von Clairvaux sehr anschaulich, was es bedeutet, sich gut um sich selbst zu kümmern.


Selbstfürsorge – Gedicht “Die Schale der Liebe”

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfliesst, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugiessen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott.
Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. 
Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen, und dann ausgiessen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153)


Überlege dir gerne einmal:

  • Was genau füllt meine «Schale» auf? Was brauche ich dazu?

  • Was tue ich, um meine Schale zu füllen?

  • Wie voll ist meine Schale jetzt gerade? Ist das ok? Und falls nicht, was kann ich heute für mich selbst tun, um sie zu füllen?

  • Wie fühlt es sich für mich an, sich um mich zu kümmern?

  • Gegebenenfalls: Welche inneren Überzeugungen hindern mich daran, meine Schale zu füllen?

 

Was Selbstfürsorge nicht ist

Selbstfürsorge soll nicht etwas sein, das wir uns mühsam antrainieren oder zwanghaft in unseren Alltag integrieren wollen und sollen.


Ich mache die Beobachtung, dass Selbstfürsorge gerne in eine Art Selbstoptimierung ausartet, die fast etwas Zwanghaftes an sich hat: Noch fitter, noch mehr "Me Time", noch effizienter. Man zwingt sich, fünfmal die Woche 15 km zu joggen,  mindestens einmal pro Woche 24 Stunden zu fasten oder muss jedes Wochenende eine Bergtour machen. Dies ist Selbstoptimierung, die sich als Selbstfürsorge tarnt. Bei der Selbstoptimierung steht die Leistung und die Kontrolle über sich selbst im Vordergrund.


Hier ist es wichtig für sich selbst ehrlich herauszufinden, welches Motiv hinter der "Selbstfürsorge" steht. Geht es um Disziplin, Härte, Leistung, Zwang, Kontrolle oder geht es um Genuss, Freude, Flow, Spass, Wertschätzung sich selbst gegenüber.


Fazit 

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Selbstfürsorge mehr ist, als einmal im Jahr ein warmes Bad zu nehmen oder am Meer zu meditieren.

Selbstfürsorge ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess.


Auch wenn die Zeit knapp ist, ist es wichtig, sich regelmässig Zeit zu schenken, in der man sich Gutes tut. Dies jedoch nicht aus einem Druckgefühl heraus (ich muss...) sondern weil man spürt, dass es einem guttut (ich darf...).


Es reichen auch 5 Minuten pro Tag. Hauptsache ist, regelmässig Selbstfürsorge zu praktizieren. Es geht nicht darum, was genau man für sich tut– denn das ist individuell – sondern dass man es sich wert ist, sich um sich selbst zu kümmern.


Daher beschreibt Selbstfürsorge eine innere Haltung sich selbst gegenüber, die auf Selbstachtung und Eigenverantwortung basiert.


Regelmässig Rituale der Selbstfürsorge in den Alltag zu integrieren, hat einen positiven Einfluss auf die körperliche und geistige Gesundheit.


Man bleibt mit sich in Kontakt, spürt was man brauchst und erlaubt sich, sich dies auch zu geben. Dadurch ist man fähig auch anderen zu geben und für andere da zu sein.



 

Wünscht du dir Unterstützung in der Entwicklung deiner Selbstachtung, damit du voller Freude und ohne schlechtes Gewissen Selbstfürsorge als festen Bestandteil in dein Leben integrieren kannst?


In einem kostenlosen und unverbindlichen 15-20 minütigen Kennenlerngespräch können wir zusammen anschauen, ob ein psychosoziales Coaching für dich sinnvoll ist.


Buche dir gerne einen unverbindlichen Termin.





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Bild von Regula Schütt







Regula Schütt, psychosoziale Coachin ECA für persönliche Entwicklung

Mehr Selbstbewusstsein, mehr Authentizität - dein Weg zu innerer Stärke


 

Im Text erwähnte Studien:

Riegel et al. Self-Care for the Prevention and Management of Cardiovascular Disease and Stroke. Journal of the American Heart Association. 2017



Dahl, C. Warum es sich lohnt, gut für sich zu sorgen. Prävention & Gesundheitsförderung 14, 69–78 (2019)


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